„Carmen“ ist heute die wohl populärste Oper der Welt – kein Wunder, denn sie hat alles, was zu einem erfolgreichen Werk der Opernbühne gehört: mitreißende Musik, eine packende und absolut zeitlose Handlung und lebensechte Charaktere. Dabei sah es am Anfang gar nicht so aus, als sei dieser Oper ein großer Erfolg beschieden: Bei ihrer Uraufführung im März 1875 in Paris wurde sie vom Publikum sehr kühl aufgenommen. Leider verstarb der Komponist Georges Bizet nur wenig später und konnte so die im selben Jahr stattfindende triumphale Wiener Erstaufführung nicht mehr miterleben. Mit ihr begann der Siegeszug der „Carmen“, der bis heute anhält.
Und „Carmen“ ist inzwischen längst mehr als eine Oper - die übrigens ihrerseits die gleichnamige Novelle von Prosper Mérimée, auf der sie basiert, längst in den Hintergrund gedrängt hat. Auch zahlreiche Filme sind von diesem Stoff inspiriert, vom frühen Stummfilm bis zur klassischen Opernverfilmung mit Julia Migenes und Plácido Domingo; von der im amerikanischen Süden der 50-er Jahre spielenden „Carmen Jones“ mit Harry Belafonte bis zum Tanzfilm von Carlos Saura, der völlig ohne die Musik Bizets auskommt; und schließlich mit „U Carmen e Khayelitsha“ ein südafrikanischer Spielfilm, der die Handlung in ein Township des Kapstadt von heute verlegt und Bizets Musik, vorgetragen in der dortigen Landessprache, um traditionelle Xhosa-Gesänge ergänzt.
Höchst unterschiedlich sind aber auch die Bühneninszenierungen, die sich heute der originalen „Carmen“ annehmen. Neben folkloristischen Inszenierungen, die in einem idealisierten Spanien voller bunter Kostüme spielen, finden sich auch Verlegungen der Handlung in andere Zeiten oder an andere Orte und Neuinterpretationen der einzelnen Figuren. Einmal wird eine stärkere Annäherung an die Novelle Mérimées angestrebt, ein anderes Mal ganz bewusst der Bezug zur heutigen Gegenwart gesucht. Interessant ist neben der Betrachtung der Hauptpersonen, deren Schicksal im Mittelpunkt steht, auch der Blick auf die vielen Chorszenen: Sind das wirklich alles nur folkloristische Menschenansammlungen, die dem Stück ein wenig Farbe verleihen sollen ? … Die Aufführung in Schinznach-Dorf wird darauf eine interessante neue Antwort geben!